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Bali / Indonesien

  • Autorenbild: Gaby Laubach
    Gaby Laubach
  • 18. Apr. 2025
  • 7 Min. Lesezeit

Wir liegen 3 Tage in Benoa, dem 15 km südlich der Hauptstadt Dempasar gelegenen Haupthafen der Insel Bali. Hier endet der fünfte Abschnitt der Weltreise und der sechste beginnt. Indonesien ist der größte Islamische Staat der Welt, auf Bali sind aber 90% der knapp 5 Mio. Einwohner Hindus - hierher haben sich bei der Islamisierung Indonesiens die Hindus des Inselstaates zurückgezogen. Der Hinduismus auf Bali unterscheidet sich deutlich von dem, den ich in Indien kennengelernt habe, aber die Spiritualität, die das Leben bestimmt, ist beiden gleich. Auf Bali gibt es mehr Tempel als Häuser. Zunächst gehört zu jedem Haus ein Tempel (auch in den eher seltenen Mietwohnungen ist mindestens ein Opferstock aufgebaut), darüber hinaus gibt es Familien- und Sippentempel. Jedes Hindu-Dorf beheimatet 3 Dorftempel: Pura Puseh - den Ursprungstempel (=Geburt), Pura Desa - den Tempel der großen Ratsversammlung (=Leben) und Pura Dalem - den Todestempel. Und dann sind da noch die bedeutenden allgemeinen Tempel, die häufig schon im Mittelalter erbaut wurden und an besonderen oder heiligen Orten zu finden sind. Die balinesischen Hindus bringen jeden Tag Opfer in Form von Speisen, Blumen, Räucherstäbchen usw., Man sieht sie überall auf den Opferstöcken aber auch in und vor Eingängen und natürlich in den Tempeln.

Ich habe für alle drei Tage Ausflüge gebucht, die uns zu verschiedenen Tempeln und anderen Sehenswürdigkeiten führen. Die Ausflugsziele waren wunderbar - aber ebenfalls in Erinnerung bleiben werden die Busfahrten: Bali ist nicht besonders groß, in Ost/West-Richtung ca. 145 km, von Norden nach Süden ca. 95 km. Vom Hafen aus führen aber alle Strecken durch den Großraum Denpasar. Unsere Busse wurden zeitweise von Polizeimotorrädern eskortiert und Kreuzungen wurden für uns gesperrt - die Straßen sind so voller Autos und vor allem Mopeds (Vater, Mutter und 2 Kinder sind erlaubt!), dass kaum ein Durchkommen ist. Am letzten Tag musste sogar unsere Abfahrt nach hinten verschoben werden, weil 2 Busse (auch unserer) nicht pünktlich zurück waren. Die Straßen sind eng und oft in keinem guten Zustand und die Verkehrsregeln habe ich bis heute nicht verstanden - aber die Busfahrer haben uns gut zu unseren Zielen und wieder zurück gebracht. An den Straßen und auf Kreuzungen stehen unzählige Statuen und Standbilder, die alte Mythen erzählen, böse Geister fern halten sollen oder einfach nur schön sind.



Am ersten Tag heißt unser Ziel "Tanah Lot Tempel". Auf dem Weg dahin besuchen wir zunächst die zweitwichtigste Tempelanlage Balis "Taman Ayun", einen alter Reichstempel der Rajas von Mengwi mit überregionaler Bedeutung. Taman Ayun gilt als einer der schönsten Tempel Balis. Er wurde auf einer Flussinsel erbaut und wird auch "Tempel des schwimmenden Gartens" genannt. Balis Tempel bestehen aus 3 Ebenen: Den Vorhof, einer zweiten öffentlichen Ebene und der dritten Ebene, dem Allerheiligsten, das in der Regel nur von gläubigen Hindus betreten werden darf. Taman Ayun ist wunderschön angelegt. Auf der ersten Ebene gibt es eine "Arena", in der früher Hahnenkämpfe durchgeführt wurden (gibt es auch heute noch sehr verbreitet aber nicht mehr so in der Öffentlichkeit). Das Blut der Hähne wurde geopfert, das Fleisch kam in den Kochtopf. Auch heute werden die Opfergaben, die im Tempel gesegnet werden, später wieder mit nach Hause genommen und verspeist. Um das Allerheiligste läuft ein Wassergraben, auf dem Lotus blüht. Außerhalb der Mauer, die das Allerheiligste umgibt, verläuft ein Weg, von dem aus wir hineinsehen können.



Seitlich des Allerheiligsten gibt es eine schöne Parkanlage. Dort gibt es eine neuere Statue einer Fruchtbarkeitsgöttin, ein kleines Museum zum Tempel und zur Familie der Rajas von Mengwi. In einem Kinosaal wird ein Film über die Zeremonien im Tempel gezeigt.



Unser nächstes Ziel ist Alas Kedaton, ein sogenannter Affenwald. Hier leben neben und in einem kleineren Tempel Makaken, die sehr zutraulich aber auch frech sind. Wir wurden vorab gewarnt, unsere Taschen verschlossen zu lassen und auf Handys und Brillen aufzupassen. Bei unserer Gruppe passiert nichts, aber wir hören von anderen Passagieren, denen Brillen, Handys und Schmuck von vorwitzigen Affen entwendet wurden. Die meisten, aber nicht alle Beutestücke wurden zurückerobert. Wir haben auf jeden Fall Spaß, dem Treiben der Affen zuzuschauen.



Im Affenwald lebt auch eine Kolonie Flughunde.



Dann geht es endlich nach Tanah Lot, einem Tempel, der im 16. Jahrhundert von einem Hindupriester auf einer Felsspitze im Meer erbaut wurde. Nur bei Ebbe ist der Tempel halbwegs trockenen Fusses zu erreichen. Er liegt hoch oben auf dem Felsen, den nur gläubig betreten dürfen. Unter dem Felsen entspringt (eigentlich im Meer) eine Sußwasserquelle, die von Hindupriestern bewacht wird. Außerdem gibt es in einer anderen Höhle weiße Seeschlangen, die ebenfalls als heilig gelten. Ich bin ein wenig überrascht und enttäuscht über den Trubel, der hier herrscht. Vom Parkplatz zum Tempel führt der Weg

durch einen großen Markt mit Souvenirständen - aber auch bei uns in Deutschland findet man diese rund um jede Sehenswürdigkeit. Die Anlage ist auf jeden Fall sehr beeindruckend und ich kann verstehen, dass sie ein absoluter Touristenmagnet ist. Es ist kurz vor Sonnenuntergang. Die Stimmung über dem Meer ist wunderschön.



Auf dem Weg zurück zum Bus kommen wir noch an einer weiteren Tempelanlage, Batu Bolong, vorbei, die auf einer Felsenbrücke über dem Meer thront. Im Sonnenuntergang einfach nur schön!



Der nächste Ausflug heißt "Reisterassen und Tempel". Unser erstes Ziel ist wieder Taman Ayun, der sich genauso schön präsentiert wie am Vortag - nur sind wir heute nur mit ca. 50 Personen hier, gestern waren es mindestens 200. Ich habe dort aber ein bemerkenswertes

Erlebnis: Die Toilettenanlagen an allen Orten, die wir besuchen, sind vollkommen in Ordnung. Aber natürlich befinden wir uns hier in den Tropen. An beiden Tagen suche ich die Toilette auf. An ersten Tag liegt dort eine Kakerlake auf dem Boden - glücklicherweise auf dem Rücken. Ich lasse sie unter dem Mülleimer verschwinden. Am zweiten Tag finde ich in der gleichen Kabine einen Gecko an der Wand - wahrscheinlich das beste und ökologisch verträglichste Mittel gegen Kakerlaken.


Zum Ausflugsprogramm gehört eigentlich auch der Besuch eines Marktes. Wir bekommen die Auskunft, dass dieser vollkommen überlaufen ist. Als Alternative fahren wir zu einer Kaffeeplantage, auf der es auch den berühmten "Katzenkaffee" gibt.



Nach einer kurzen Kostprobe und der Möglichkeit, Kaffee, Tee und Gewürze zu kaufen, geht es weiter in die Berge. Bali hat mehrere Vulkane, der höchste ist über 3000 Meter hoch. Wir fahren nach Bedugul, das direkt an einem Kratersee liegt. Hier besichtigen wir den Ulun Danu Tempel, der ebenfalls in einer wunderschönen Gartenanlage liegt.



Hier nehmen wir auch unser indonesisches Mittagessen ein. Auf der Rückfahrt zum Schiff besuchen wir noch die Reisterrassen von Jatiluwih, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Über Kanäle wird das Wasser gleichmäßig auf die Felder verteilt. Der Anblick der aktuell grünen Felder ist unbeschreiblich.



Am Abend nutze ich einen Transfer nach Kuta, einem Urlaubszentrum in der Nähe unseres Hafens. Dorthin können wir sogar die Autobahn von Bali benutzen, sie ist ungefähr 12 km lang und führt die meiste Zeit über Brücken über einer Bucht. Ansonsten ist die Fahrt genauso wie wir es gewohnt sind: Für die 15 km dorthin brauchen wir fast eine Stunde. Kuta ist ein belebter Ferienort. Es gibt einen schönen Strand, den wir leider wegen der Dunkelheit nicht wirklich sehen können, sehr schöne Hotels und natürlich Bars und Restaurants und die obligatorischen Souvenirläden. Mit meinen Bekannten (2x Dagmar und 1x Brigitte) laufen wir ein Stück, durchqueren ein luxuriöses Hotel bis zum Strand und suchen uns dann eine Sportsbar, in der wir uns einen Cocktail gönnen, bevor es wieder zurück auf die Artania geht.




Auf Bali gibt es sehr viel Kunsthandwerk. Überall an den Straßen sieht man Holz- und Flechtarbeiten, Windspiele, Glas und Keramik, Gemälde und vieles mehr. Am letzten Tag auf Bali besuchen wir zunächst Celuk, Zentrum für Gold- und Silberverarbeitung. Wir sehen bei der Herstellung von Silberschmuck zu und können natürlich auch etwas kaufen. Anschließend fahren wir nach Mas, bekannt für Holzschnitzereien. Die Schnitzer dort schaffen ohne Vorlage phantastische Skulpturen aus verschiedensten Hölzern wie Mahagoni, Ebenholz oder Hibiskus.



Unser nächstes Ziel ist eines der ältesten Monumente Balis. die Elefantenhöhle, die natürlich auch zu einem Tempelkomplex gehört. Zunächst geht es über viele Stufen hinab in einen Krater.

Am Grunde des Kraters geht es in die Elefantenhöhle. Es hat niemals Elefanten auf Bali gegeben. Aber mit dem Hinduismus, der ungefähr im 8. Jahrhundert aus Indien nach Bali kam, kam natürlich auch der Elefantengott Ganescha. "Elefant" wurde für die Balinesen ein Synonym für groß. Daher stammt der Name der Höhle, die gar nicht so groß ist - eher eine Grotte, in der aber auch Ganescha verehrt wird. Es ist dunkel und feucht in der Höhe und die abbrennenden Räucherstäbchen rauben uns den Atem.



Zum Tempelbezirk gehört ein großes Badebecken, das von einer Quelle hinter dem Tempel gespeist wird. Aus dem Nabel von 6 Göttinnen-Figuren fließt das Wasser in das Becken.



Der gesamte Tempelbezirk wirkt durch seine Lage in dem Krater sehr abgeschieden. An einer Seite führt ein Weg noch weiter hinunter durch einen Park bis zu einem Fluss.



Weiter geht es wieder Richtung Berge. Unser Ziel ist Kintamani, einem Straßendorf in fast 1500 Meter Höhe, wo wir unser Mittagessen in einem Restaurant einnehmen. Das Restaurant liegt am Rande einer Schlucht und bietet auf seiner Terrasse einen grandiosen Ausblick auf 2 Vulkane und den größten See Balis. Leider wird das Wetter schlechter und Wolken versperren uns den Blick auf die Gipfel. Trotz der schlechten Sicht kann man noch die Lavaströme des letzten Vulkanausbruchs 1963 erkennen.



Auf dem Rückweg besuchen wir noch einen letzten Tempel, Sebatu. Eine wunderschöne Anlage - und wir dürfen zum ersten Mal die dritte Ebene, das Allerheiligste betreten. Wie in allen anderen Tempeln müssen bei uns Schultern und Knie bedeckt sein. Bei zu kurzen Hosen oder Röcken bekommen wir Sarongs zur Verfügung gestellt, die wir tragen müssen. In Sebatu erhalten alle zusätzlich einen Tempelschal, der wie ein Gürtel getragen werden muss und ohne den wir die Anlage nicht betreten dürfen.



Voller Eindrücke von einer uns fremden Kultur kehren wir (verspätet) zur Artania zurück und verlassen das hinduistische Bali in Richtung muslimisches Indonesien.

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