Las Palmas / Gran Canaria / Spanien
- Gaby Laubach
- 3. Juni 2025
- 4 Min. Lesezeit
Hier endet nach 162 Tagen und mehr als 40.000 Seemeilen (1 sm = 1,852 km!) die Weltreise und der letzte Abschnitt MEINER Reise zurück nach Deutschland beginnt. Man sagt ja von den kanarischen Inseln, dass sie mehr oder weniger afrikanisch geprägt sind. Nach meinen (!) Erlebnissen in Westafrika kommt mir Gran Canaria sehr europäisch vor. Es ist nicht mein erster Besuch auf dieser Insel und das Ausflugsangebot für die "Transitgäste" (das sind diejenigen, die auch für die nächste Reise an Bord bleiben) ist überschaubar: Entweder in den Süden über Maspalomas nach Mogan oder nordwestlich entlang der Küste nach Agaete mit Besuch einer Finca inkl. Verkostung. Las Palmas begrüßt uns leider nicht mit strahlendem Sonnenschein sondern mit dichter Bewölkung, die auch bis zum Abend nicht aufreißt. Aber beide Ausflugsgruppen haben Glück und fahren in die Sonne! Ich habe mich für den Norden entschieden, von Agaete aus sind wir - als Eric noch recht klein war - mal nach Teneriffa übergesetzt. Bei klarer Sicht kann man von dort aus schon den Teide sehen -

heute ist aber zu viel Saharastaub in der Luft. Zunächst fahren wir aber nach Santa Catalina, einem sehr touristisch geprägten Stadtteil Las Palmas. Hier steht am Ende der Strandpromenade das Auditorio Alfredo Kraus, in dem viele Veranstaltungen stattfinden, u.a. auch ein internationales Filmfestival. Von dort aus hat man einen wunderbaren Blick über den Strand und die Halbinsel, auf der Las Palmas liegt.
Weiter geht es Richtung Norden entlang der oft steilen und zerklüfteten Küste. Die Küstenlinie hat an vielen Stellen durch die alten Lavaströme gebildete natürliche "Schwimmbecken", deren Wasser bei Flut immer wieder ausgetauscht wird. Leider kann ich hier keine Fotos während der Fahrt machen, da ich auf der "falschen" Seite des Busses sitze. Aber auch die Landschaft auf der anderen Seite ist einfach grandios - so wie auf allen kanarischen Inseln.

In Agaete angekommen besuchen wir zunächst den Ortsteil Puerta de las Nieves mit dem Hafen von Agaeta. In der natürlichen Hafenbucht gab es bis 2005 eine Felsformation die "Der Finger Gottes" genannt wird. Leider gab es im November 2005 ein schweres Unwetter, das auch auf den anderen Inseln schwere Schäden hinterließ. Bei diesem Unwetter brach der Finger ab und stürzte ins Meer. Seitdem sieht die Formation eher wie eine Faust aus. Am Giebel eines kleinen Hauses an der alten Mole des Hafens sind "Vorher" und "Nachher" dargestellt. Das Umland hier ist sehr landwirtschaftlich geprägt und der Hafen war sehr wichtig zur Verschiffung der Erzeugnisse bevor eine Landverbindung entlang der Küste und durch das Gebirge geschaffen wurde. Heute gibt es immer noch eine Fährverbindung nach Santa Cruz de Teneriffa. Ansonsten ist ganz Agaete ein eher gemütlicher Ort mit hübschen, zum Teil schon sehr alten Häusern.
Wir verlassen die Küste und fahren durch die engen Gassen der Altstadt Agaetes in das dahinterliegende Tal. Das Tal hat ein eigenes Mikroklima und ist sehr fruchtbar. Unser Ziel ist eine Finca auf ca. 350 mtr. Hier wird noch sehr traditionell Landwirtschaft betrieben und alle Produkte werden ausschließlich selbst vermarktet. Vom Busparkplatz aus geht es, geführt von einer deutschsprechenden Mitarbeiterin der Finca, steil bergauf entlang der Anbauflächen. Zunächst einmal gibt es direkt am Wegesrand Kaffeepflanzen der Sorte

Arabica. Der ursprüngliche Gründer der Finca hat die Pflanzen aus Äthiopien importiert und damals die erste Kaffeeplantage Europas

gegründet. Normalerweise wächst Kaffee in Höhen von 1.000 bis 1.500 mtr., hier gedeiht er in nur 350 mtr.! Die Kaffeekirschen werden ganzjährig und immer einzeln von Hand gepflückt, durch Luft und Sonne getrocknet, die Bohnen und das Fruchtfleisch (natürlicher Dünger) voneinander getrennt und die Bohnen werden in kleinen Portionen in mehreren Stufen geröstet (ohne Zusatz!) und dann verpackt. Der Kaffee schmeckt toll, wenig Säure, voller Geschmack. Hinter und zwischen den Kaffeepflanzen gibt es Zitrusbäume, Weinreben, Äpfel, Mangos, Papayas,

Kartoffeln und viele Blumen - auch Pflanzen, die als natürlicher Schädlingsschutz wirken. Oben angekommen, erhalten wir einen Becher Wasser aus dem eigenen Wasserreservoir. Dieses Wasser kommt aus den hohen Felsen, die das Tal bilden und ist sehr Zink- und Magnesiumhaltig. Genauso schmeckt es: sehr mineralisch. Alle Pflanzen werden nach Bedarf mit diesem Wasser per Tröpfchenbewässerung versorgt. Alles wird selbst vermarktet: Aktuell wird eine Marmelade aus Zitronen, grünem Apfel und Kaffee produziert. Als nächstes besichtigen wir die Kellerei. Hier werden Weiß- und Rotweine produziert. Oft als Cuvee, je nachdem welche Trauben vorhanden sind und sehr speziell. Der Weinkeller ist um einen gewaltigen Lavafelsen herum gebaut wurde, der die Temperatur in der Kellerei ziemlich konstant hält.
Anschließend geht es zur Verkostung: Wir dürfen 2 weiße und einen roten Wein probieren, die sehr gut schmecken. Dazu erhalten wir Käse aus Schafs- und Kuhmilch von einer befreundeten Käserei, von der Zitronen-Apfel-Kaffeemarmelade (toll zum Köse!), Brot, und Chorizo. Dann dürfen wir den Kaffee kosten und erhalten dazu selbstgebackenen Kuchen. Alles wirklich lecker! Und dann kommt das Beste: Wir dürfen selbst Mojo-rojo-Soße zubereiten, hier das einfache Rezept - die Mengenangaben beziehen sich immer auf einen Teelöffel, das gibt eine Menge, die man gut zu einem Stück Brot oder ein paar Kartoffeln allein genießen kann:
1 Knoblauchzehe mit 1/4 TL groben Meersalz, 1 TL Paprika (mild/scharf je nach Geschmack), 1 TL Kümmel in einem Mörser gründlich zerstoßen. Dazu 1 TL neutralen Essig und 4 TL neutrales (Sonnenblumen-)Öl geben und alles gut vermischen.
Auf den Kümmel wäre ich nie gekommen und auch in der fertigen Soße konnte ich ihn nicht herausschmecken (die anderen Mitreisenden auch nicht), aber es schmeckte genauso wie ich Mojo-Soße kenne. Dazu bekamen wir dann auch noch kleine kanarische Kartoffeln.
Nach einer schönen Panoramafahrt kommen wir wieder zurück aufs Schiff, auf das viele neue Passagiere zugestiegen sind. Jetzt ist die Artania nahezu ausgebucht, daran müssen wir "alten" uns erst einmal gewöhnen - so voll war unser Schiff auf der Weltreise nur bei dem Abschnitt von Rio rund um Südamerika nach San Antonio. Nach Abendessen und Rettungsübung gibt es an der Phoenixbar zur Abreise Sekt und vom Showensemble mit "Hatuna Matata" einen Vorgeschmack auf die Shows, die uns auf dieser Reise erwarten.



















































































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