Osterinsel (Rapa Nui) / Chile
- Gaby Laubach
- 15. Feb. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Am Morgen des Valentinstag ankerten wir vor der Osterinsel. Viele Kreuzfahrer lagen schon vor dieser Insel und konnten Sie nur aus der Ferne betrachten, weil ein Ausbooten nicht möglich war. Die Einfahrt in das kleine natürliche Hafenbecken des Hauptortes Hanga Roa ist problematisch, uns wurde erklärt, dass die Tenderboote auf eine "Welle warten müssen, auf der sie dann in den Hafen surfen". Das ist je nach Seegang nicht möglich. Außerdem kann jeweils nur 1 Tenderboot im Hafen sein. Wir hatten aber das Glück, dass das Tendern möglich war und jeder der wollte hinüberfahren konnte. Hanga Roa selbst hat knapp 8.000

Einwohner, ansonsten gibt es auf der Insel nur noch wenige kleine Ansiedlungen. Schon vom Schiff aus, konnten wir die ersten Moai (Steinfiguren) auf ihren Ahus (Plattformen) sehen. Außerhalb Hanga Roas kann man die Osterinsel nur mit örtlichem Guide besuchen, die gesamte Insel ist ein von der UNESCO geschützter einzigartiger Nationalpark. Der Eintritt ist mit aktuell 83 US$ nicht gerade billig, aber er ist jeden Cent wert! Nach heutigem Stand der Nachforschungen sind die Moai Abbilder der Ahnen. Sie sind je nach gesellschaftlichem Stand und finanziellen Mitteln größer oder kleiner. Die Ahus dienten den Erbauern auch für Zeremonien. Woher die ersten Bewohner kamen ist nicht ganz geklärt, wahrscheinlich kamen sie aus Polynesien. Es ist kaum vorstellbar, dass sich wahrscheinlich schon vor mehr als 1.000 Jahren Menschen mit ihren Booten aufmachten, um neuen Lebensraum zu finden und hier landeten. Die Osterinsel hat die Form eines gleichschenkligen rechtwinkligen Dreiecks. Sie ist nur 24 km lang und 12 km breit und die höchste Erhebung misst wenig mehr als 500 mtr. Die nächste Insel Pitcain (unser nächstes Ziel) ist 2.000 km entfernt und zum südamerikanischen Festland sind es weit mehr als 3.000 km. Trotz ihrer isolierten Lage gibt es auf der Insel fast keine endemischen Pflanzen (mehr). Die zum Teil üppige Pflanzenwelt besteht aus eingeführten Arten.
Mein Ausflug führte mich zu 3 Orten, an denen wir die typischen Steinfiguren betrachten konnten. Mit kleinen Bussen fuhren wir vom Hafen bis zum Ahu Tahai, das wir schon vom Schiff aus entdeckt hatten.
Der Anblick ist Ehrfurcht erregend. Die Moai sind aus leicht zu bearbeitendem Tuffstein gehauen und haben sehr individuelle Züge, ihr Gewicht beträgt je nach Größe bis zu 120 to. Der "Hut" ist eigentlich der Haarschopf, auf dem eine Art Dutt sitzt, oft aus rotem Tuff gefertigt. Es gibt nur noch wenige Figuren mit Haaren; dieser Moai hat auch noch Augen aus Muscheln und Korallen, die aber nachträglich ergänzt wurden - wahrscheinlich hatten alle Figuren Augen, die aber mit der Zeit verloren gegangen sind. Insgesamt gibt es noch mehr als 1.000 Moai in verschiedenen Stadien der Fertigstellung oder Erhaltungszuständen. Sie stammen aus einem Steinbruch an einem der erloschenen Vulkane, dem Rano Raraku. Dort wurden sie aus dem Stein gehauen, über viele km bis zu ihrem Ahu transportiert und dort aufgestellt. Bis zur Fertigstellung dauerte es pro Figur wahrscheinlich bis zu einem Jahr.
Die Fahrt durch Hangaroa gleicht dem Besuch eines tropischen Gartens mit ein paar Häusern zwischen den üppigen Pflanzen. Hibiskus in allen Farben, Bananenstauden, Palmen... - es ist unbeschreiblich. Außerhalb wird die Flora bescheidener. Es gibt Felder und Wiesen mit Kühen und Pferden (wohl auch Schafe, die wir aber nicht zu Gesicht bekommen). Auch hier gibt es üppige Gärten um die einzeln stehenden Häuser. Leider ist die Straße sehr holprig und unser Busfahrer legt ein gutes Tempo vor, sodass die Fotoausbeute aus dem fahrenden Bus nicht besonders gut ist.
Unser nächstes Ziel ist Anakena, eine Bucht mit einem der wenigen hellen Sandstrände der Insel. Hier sind wahrscheinlich die ersten Siedler, aber auch die europäischen Entdecker an Land gegangen. Der Strand ist gut besucht. Ein Palmenhain spendet Schatten und auch hier gibt es einen gut erhaltenen Ahu. Auf der Rückseite der Maoi kann man deutlich sehen, dass auch diese kunstfertig ausgearbeitet sind. Das Wasser lockt, aber wir müssen weiter...

Unser letzter Stopp ist am Ahu Akivi, einer gut erhaltenen Anlage.

Die Besonderheit hier ist, dass es sich um die einzige Anlage handelt, deren Moais in Richtung Ozean blicken. Alle anderen stehen mit dem Rücken zur Küste und blicken ins Land. Wie schon an den anderen Ahus kann man einfach nur staunen. Ich bin so beeindruckt, dass ich (wahrscheinlich sogar mit offenem Mund) nur staunend vor diesen Monumenten stehe.
Zurück an Bord erwartet uns eine Folklore-Darbietung der Kulturgruppe "Haka'Ara Tupuna", die uns mit traditionellen Kostümen und Körperbemalung typische Tänze der Rapa Nui präsentiert.
Die Nacht verbringen wir vor Hangaroa. Für den folgenden Tag ist ein weiterer Besuch der Anakena-Bucht geplant. Dort gibt es nur eine kleine Tenderpier. Schon am frühen Morgen verlassen wir unseren Ankerplatz und fahren ein Stück um die Osterinsel herum an die Nordküste. Pünktlich zum Sonnenaufgang kommen wir in der Bucht an. Leider lässt die Dünung eine Ausbootung nicht zu. Als kleinen Ausgleich fährt uns der Kapitän langsam einmal um die Insel herum. Wir sehen, wie steil sie sich aus dem Meer erhebt. Sehen eine einzelne Felssäule vor der Küste, die fast wie eine Burg aussieht; einen weiteren Ahu an der Küste und die kleine Insel Motu Nui (auch nur ein Felsen), die für den Vogelmann-Kult der Bewohner eine sehr große Rolle spielte: Im Juli jedes Jahres zogen die Stämme in einer Prozession nach Orongo, einer Kultstätte am Vulkan Rapa Nui. Dies war der Zeitpunkt zu dem die Rußseeschwalben ihre Eier legten. Die Kriegshäuptlinge der Stämme führten einen Wettstreit durch, wem es gelänge, das erste Ei an Land zu bringen. Dabei traten sie nicht persönlich in den Wettbewerb ein, sondern ließen sich von Untergebenen, jungen Männern ihres Stammes vertreten. Diese kletterten die steilen Klippen hinunter und schwammen mithilfe von Schilfbündeln, auf denen sie etwas Vorrat mitführten, zur Brutinsel - ein wegen der Steilküste, der starken Brandung und der Haifische höchst gefährliches Unternehmen. Dort warteten sie in Höhlen das Brutgeschäft der Seeschwalben ab. Der manchmal mehrere Wochen dauernde Aufenthalt war beendet sobald einer der jungen Männer ein Ei entdeckte, es sich mit einen Stück Stoff sich um den Kopf band und den gefährlichen Rückweg heil überstand. Das Ei überreichte er seinem Häuptling, der von da an für ein Jahr den Titel des Vogelmannes trug.
Die Osterinsel war ein Highlight meiner Reise - unbeschreiblich beeindruckend und schön. Meine Bilder können das leider nicht widerspiegeln.







































































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