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Puerto Madryn / Argentinien

  • Autorenbild: Gaby Laubach
    Gaby Laubach
  • 28. Jan. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Puerto Madryn liegt an der Bucht Golfo Nuevo, einer riesigen, fast runden Bucht mit verhältnismäßig schmaler Einfahrt. Die Stadt wurde im 19. Jahrhundert von Einwanderern aus Wales gegründet und hat heute mehr als 80.000 Einwohner. Wichtige Wirtschaftszweige sind ein Aluminiumwerk, der Fischfang und der Tourismus. Rund um Puerto Madryn sind viele Tiere wie Seeelfanten, Pinguine, Guanacos, Seehunde, Nandus und Albatrosse zu beobachten. Auch Wale kommen hier auf ihren Wanderungen vorbei. Puerto Madryn liegt in der patagonischen Provinz Chubut - benannt nach dem Rio Chubut, der einzigen Süßwasserquelle der Region. Von hier aus führt mich unser Ausflug zur Pinguinkolonie Punta Tombo, einer der größten Pinguinkolonien außerhalb der Antarktis. Dort nisten zwischen Oktober und März unzählige Magellan-Pinguine und ziehen ihre Jungen groß. Das übrige halbe Jahr verbringen sie im Meer und folgen den großen Meeresströmungen Richtung Brasilien, weil sie in dieser Strömung das beste Nahrungsangebot finden. Wir haben die Möglichkeit, auf befestigten und abgesperrten Wegen direkt durch die Kolonie zu wandern. Der Weg führt unmittelbar an den in den Boden gegrabenen Nisthöhlen vorbei bis zu einem Ausguck obrhalb des Strandes, an dem die Pinguine ins Wasser gehen und mit Futter für die Jungen zurückkommen. Die Nisthöhlen liegen bis zu 2 km vom Wasser entfernt. Bei unserem Besuch sind dir Jungpinguine schon in der Mauser, das heißt sie wechseln gerade ihr Gefieder vom Babyflaum zum Erwachsenen.



Der Weg zur Kolonie führt uns ca. 170 km durch die patagonische Steppe, davon die letzten gut 20 km über eine Schotterpiste. Endlose Weiten mit spärlichem Bewuchs aus Gräsern und kleinen Büschen. In dieser Einöde gibt es riesige, eingezäunte "Estancias", die von Schafzüchtern betrieben werden. Die Schafe bewegen sich frei in der Steppe - je nach Gegend 2 bis 5 Schafe pro Hektar Land. Gauchos kontrollieren die Herden und die Einzäunung, die Estancias sind so groß, dass sie oft Wochen unterwegs sind und in Hütten übernachten. Mit ihren Hunden treiben sie zur Schur die Schafe zusammen und zu den Schurscheunen. Durch Windmühlen wird Grundwasser hochgepumpt, das einen relativ hohen Salzgehalt hat und als Trinkwasser für Menschen nicht geeignet ist. Aber die Schafe und Guanacos, einer der hier wild lebenden südamerikanischen Kamelart, kommen gut damit zurecht. Wir sehen auch einen Nandupapa (südamerikanischer Laufvogel) mit seiner zahlreichen Nachkommenschaft (leider nicht zu fotografieren).



Die Landschaft ändert sich nur, als wir durch das Flusstal des Chubut fahren. Hier ist alles saftig grün, die Grundstücke sind von Pappeln gesäumt und auch sonst sieht man Bäume und Felder, auf denen z.B. Weizen angebaut wird. Es ist aber nur ein schmaler fruchtbarer Streifen, gleich danach ist man wieder in der endlosen Steppe. Unsere Reiseführerin (Oma und Opa aus Berlin und die deutsche Sprache wir immer noch gepflegt!) erzählt uns, dass wir Glück haben: Oft ist es hier in Patogonien sehr windig. Diesen Wind spüren wir auf der Rückfahrt auf der endlos geradeaus führenden Straße durch die Steppe, wenn Böen den Bus zum Schwanken bringen - aber grundsätzlich verläuft unsere Fahrt zum Schiff ruhig.


Die Artania liegt an einem sehr langen Steg, Dort ist sie vertäut und durch eine lokale Gangway mit dem Steg verbunden. Wir gehen zurück an Bord und ich verabrede mich mit einer Bekannten auf Deck 8 in der Kopernikus-Bar (offenes Deck, aber ringsum verglast). Es sind nach unserer Rückkehr vielleicht 20 Minuten vergangen, als urplötzlich Sturm ausbricht. Die Stühle an Deck, die Liegestühle und die Schirmständer machen sich selbstständig. Sofort sichert das Personal alles und kurze Zeit später werden alle Außendecks gesperrt. Puerto Madryn wird vom Staub der Steppe eingenebelt. Der Wind ist so stark, dass ein Seil, mit dem die Artania am Steg gesichert ist, reisst und auch die Verbindung zur Gangway gekappt wird. Gott-sei-Dank wird niemand verletzt, aber es sind noch nicht alle Passagiere wieder an Bord. Die Artania hält mit ihren Motoren die Position parallel zum Steg, wenn auch mit etwas Abstand. Nach einer geraumen Zeit gelingt es, alle Passagiere, die noch auf dem Steg im Sturm ausharren, wieder an Bord zu holen. Etwas später lässt der Sturm etwas nach und wir können auslaufen. Der starke Wind und Wellen bis ca. 3 mtr. begleiten uns aber noch die ganze Nacht und den halben nächsten Tag. Vielleicht war das ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns rund um Kap Hoorn erwartet?!?!?


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