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Broome / Australien

  • Autorenbild: Gaby Laubach
    Gaby Laubach
  • 13. Apr. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Endlich wieder ein Hafen, in dem es eine passende Pier für die Artania gibt und ruhige See - nichts hindert uns heute, an Land zu gehen. Wir bekommen eine örtliche Gangway, die am Promenaden-deck angebracht wird, aber während des Tages umgebaut werde muss. In Broome gibt es einen Tidenhub von 6-7 Meter. Wir kommen bei Hochwasser an - die Gangway geht am Morgen in 2 Stufen über einen Container auf die sehr lange Seebrücke. Als wir von unserem Ausflug am späteren Nachmittag zurückkommen, geht es fast auf gleicher Höhe von der Seebrücke auf das Promenadendeck. Sind die Strände am Morgen schmale Streifen, läuft man am Nachmittag mehrere 100 Meter, bevor man nasse Füße bekommt. Broome liegt im Norden vor Australien ziemlich isoliert: 2.400 km nördlich von Perth und ca. 1.800 km westlich von Darwin. In den 1880er Jahren wurde die Siedlung von Perlenfischern gegründet. Sie erlebte einen Boom als Perlen- und Perlmuttstadt. Spätestens 1889, als ein Seekabel nach Java verlegt und damit die Verbindung zu den wichtigsten

Perlenmärkten geschaffen wurde erlebte die Stadt einen wahren Boom. Indonesische Fischer, japanische Perlentaucher, chinesische Händler und australische Perlenbarone waren hier damals aktiv und bis zu 300 Boote fuhren täglich zu den Muschelbänken. Neben den Perlen war auch das Perlmutt sehr wichtig, daraus wurden Knöpfe gefertigt. Als in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts Plastikknöpfe und Zuchtperlen aufkamen, endete der Boom. Zurück blieben eine "Chinatown" die auch heute noch viele Geschäfte und Gaststätten bietet sowie einige attraktiven Strände und Hotelkomplexe, die viele Touristen jedes Jahr anlocken und ein schönes Städtchen. Die Bevölkerung von aktuell 16-17.000 Einwohnern kann in der Urlaubszeit auch mal auf 70.000 ansteigen.



Es ist hier sehr warm, auch im Winter sinkt die Nachttemperatur kaum unter 17°C. Die Tagestemperaturen liegen dann immer noch bei um 30°. Uns erwarten schon bei unserer Ankunft (es ist Herbst!) 33°, am Nachmittag steigt die Temperatur im Schatten auf 38°.

Am Morgen besuchen wir auf eigene Faust die Innenstadt. Die Einkaufsstraße bietet viele Schattenplätze und nette Läden. Die Menschen sind freundlich und fragen interessiert nach unserem Woher und Wohin. Wir treffen auch eine junge deutsche Verkäuferin, die erst vor 6 Wochen von Berlin über Perth hierher gekommen ist. Sie ist schon jetzt so begeistert von Australien und insbesondere Broome, dass sie - geplant war ein Aufenthalt für ca. 2 Jahre - eigentlich gar nicht mehr nach Deutschland zurückkehren möchte.

In Broome erinnert noch vieles an die Perlenfischerei. Die oben gezeigte Skulptur ist den Perlen und den hier ansässigen Aborigine gewidmet. Wir sehen in der Stadt viele Aborigine, die in kleinen Gruppen im Schatten sitzen - später erfahren wir, dass viele von ihnen arbeits- und sogar obdachlos sind.



In Broome befindet sich das älteste noch aktive Freiluftkino der Welt. Es macht Spaß die hier ausgestellten alten Vorführgeräte und Kinoplakate zu betrachten. Der Zuschauerraum ist überdacht aber zur Leinwand hin offen. Die meisten Sitze sind eher Liegestühle und es liegen auch Kissen bereit, um es sich ggf. auf dem Boden gemütlich zu machen. Und statt Handdesinfektion findet man in den bereitgestellten Spendern Anti-Mücken-Mittel.



Am Nachmittag starten wir mit unserem Ausflug "Kultur der Aborigine". Mit einem kleinen Bus holt uns Robbie, ein Aborigine aus dieser Region, ab. Zunächst fahren wir kreuz und quer durch seine Heimatstadt. und an die Strände. Er erzählt uns viel aus seiner Jugend in Broome, von seiner Familie und dem Leben der Aborigine damals. Bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts waren die Ureinwohner von vielem ausgeschlossen und viele Verbote regelten den Alltag. So durfte sich nach 18:00 Uhr kein Aborigine in den Straßen von Broome aufhalten. Alle mussten bis dahin in einer Ansiedlung ca. 1 Meile vor der Stadt sein. Wurde einer in der Stadt aufgegriffen, ging er sofort für ein halbes Jahr ins Gefängnis. War er außerdem noch betrunken, betrug die Strafe 1 Jahr Gefängnis. Im Meer hier gibt es Haie, giftige Quallen und Salzwasserkrokodile. Für die Touristen und die Bewohner von Broome wurde an einem der größten Strände ein Netz als Barriere durch die Bucht gespannt; die Aborigine durften nicht innerhalb dieser Barriere ins Wasser gehen, sie mussten an anderer Stelle baden. Diese Gesetze wurden erst in den 1960er-Jahren außer Kraft gesetzt! Die mangelnde Bildung und damit geringer Chancen vieler Ureinwohner auf dem Arbeitsmarkt ist auch heute noch ein großes Problem. Es gibt zwar grundsätzlich eine Schulpflicht in Australien, es gibt aber keine Konsequenzen, wenn die Eltern ihre Kinder nicht in die Schule schicken - das ist auch schwierig bei der hohen Obdachlosigkeit und der Lebensweise, von Ort zu Ort zu ziehen. Robbie selbst wurde mit 14 Jahren von seinem Lehrer aus der Schule geworfen mit den Worten, er würde doch über kurz oder lang als Alkoholiker auf der Straße landen. Alkoholismus ist das zweite großes Problem unter den Ureinwohnern. Robbie sagt von sich selbst, dass er nicht richtig lesen und schreiben könne und bei wichtigen Verträgen und Dokumenten immer auf die Hilfe seiner Tochter angewiesen ist. Trotzdem hat er sich ein eigenes erfolgreiches Business aufgebaut: Er bietet die Touren im eigenen Bus an und bringt seinen Gästen die Aborigine-Kultur näher. Er erzählt und zeigt uns, dass der Busch ihnen alles bietet, was sie brauchen. Er zeigt uns Büsche, mit deren Blättern die Bumerangs geschliffen werden. Es gibt dieses "Schleifpapier" in unterschiedlicher "Körnung", mit der feinsten wird schließlich die Oberfläche poliert. Andere Pflanzen dienen als Nahrung oder Medizin. Wir bekommen Kostproben zum Bespiel aus den Früchten des australischen Affenbrotbaumes: Diese sind sehr nahrhaft und gesund. Getrocknet sind sie ein guter Snack für unterwegs, wenn man sie einen Moment im Mund vom Speichel durchfeuchten lässt, schmecken sie erfrischend säuerlich. Die getrockneten Früchte werden auch fein zermahlen und können dann in Tee gelöst werden, das ergibt einen leckeren Eistee. Auch als Zusatz für Müsli sind sie eine leckere Ergänzung. Und mit Nüssen und Samen gemischt kann man aus den frischen Früchten energiereiche Müsliriegel herstellen. Die Kerne der Früchte werden gepresst und ergeben ein Öl, das in der Hautpflege eingesetzt wird. Die Blätter einer bestimmten Eukalyptusart eignen sich zur Insektenabwehr - die Haut wird einfach mit den Blättern eingerieben. Robbie verkauft verschiedene Produkte, die er mit seiner Familie herstellt, an seine Gäste und übers Internet. Sein Enkel und eine Nichte unterstützen ihn dabei. Nach seiner Meinung fehlen vielen Aborigine Perspektiven und Vorbilder. Er versucht, der jungen Generation Perspektiven zu zeigen und ihnen ein Vorbild zu sein. Robbie führt uns zu einem Kap am Ende einer Landzunge, das von

seiner Gruppe auch für Zeremonien genutzt wird. Hier finden sich viele der für die Region typischen bunten Sandsteine. In einem sind die Fußabdrücke eines Dinosauriers zu sehen (es handelt sich um eine Replik, die Originale sind am Fuß der Sandsteinkloppen zu finden und nur schwer zu erreichen. Dort finden sich auch menschliche Fußabdrücke, die auf ein Alter von 40-50.000 Jahren datiert werden. Robbie schleift mit 3 verschiedenen Steinen unter Zugabe von Wasser auf einem gro0en Felsen. Es entstehen Farbpasten in weiß, Ocker und Rot, mit denen die Aborigine ihre Haut aber auch Gegenstände bemalen. Auf der Haut wirken sie wie ein Sunblocker.



Auf dem Weg zur Landzunge passieren wir einen Leuchtturm, auf dem Seeadler nisten. Ein weiteres Nest sehen wir auf der Seebrücke zurück zum Schiff.



Wir kommen zurück zu einem Unterstand am Beginn der Landzunge. Hier bekommen wir Kostproben von Robbies Produkten und er spielt für uns Didgeridoo. Das war wieder ein beeindruckender Ausflug in die Welt der australischen Ureinwohner. Ich würde gern noch tiefer darin eintauchen, das ist in so kurzer Zeit natürlich nicht möglich und vieles ist für uns Europäer auch so fremd, dass wir es kaum wirklich begreifen können. Robbie und Josh (in Bunbury) haben mir beide sehr imponiert!

Am frühen Abend verlassen wir den Hafen von Broome und damit Australien und begeben uns auf die Fahrt nach Indonesien. Australien verabschiedet uns mit einem wunderschönen Sonnenuntergang.




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