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Fremantle / Australien

  • Autorenbild: Gaby Laubach
    Gaby Laubach
  • 9. Apr. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Die Hafenstadt Fremantle liegt 20 km von Perth, der Hauptstadt Westaustraliens, entfernt, obwohl sie eigenständig ist, wird sie oft als "schicker Vorort" von Perth bezeichnet (Perth liegt nicht am Meer sondern am Swan River). Fremantle ist der Seehafen für die Versorgung der gesamten Region und zur Verschiffung der Agrarprodukte und mineralischer Rohstoffe. Hier findet man bunte Märkte, historische Gebäude, schöne Strände und viele Grünanlagen.

Dicht an der Küste, wo früher viele Walfänger ihre Beute an Land brachten, steht das Round House - nicht rund, sondern zwölfeckig, das älteste öffentlich Gebäude Westaustraliens. Es diente als Ausguck aufs Meer, aber auch als Gefängnis. Noch heute wird hier täglich um 13 Uhr eine Kanone abgefeuert, ein historisches Zeitsignal. Unter dem Gebäude wurde von den Walfängern ein knapp 60 mtr. langer Tunnel durch die Sandsteinklippe gegraben, durch den die Wale zur Weiterverarbeitung in die Stadt gebracht wurden.



Bei unserem Stadtrundgang spüren und sehen wir, warum Fremantle ein so attraktiver Ort ist und viele Musiker, Künstler, Schauspieler und Freigeister anlockt.



Fremantle ist zum Beispiel auch die Heimat des AC/DC-Sängers Bon Scott, der hier aufgewachsen ist.

Der "Highway to Hell" führt in Fremantle zu einem sehr gut erhaltenen Zeugnis einer dunklen Geschichte Australiens: Fremantle Prison, das mehr als 140 Jahre als Hochsicherheitsgefängnis diente und erst 1991 endgültig geschlossen wurde!

Die hierher ab 1850 gebrachten Sträflinge, die die Swan River Colony aufbauen sollten, mussten zuallererst ihr eigenes Gefängnis bauen. Es entstand auf einem Sandsteinplateau, aus dem die Steine zum Bau gewonnen wurden. Es war für 1000 Sträflinge konzipiert. Nach Ende der Sträflingsverschickung wurde das Gefängnis noch bis zu Schließung für "normale" Verurteilte (auch Bon Scott soll hier mal kurz eingesessen haben) genutzt. Ursprünglich nur für männliche Sträflinge ausgelegt, wurde später auch ein Frauentrakt errichtet. Gründe für die Verurteilung der Frauen waren unter anderem: Unangemessenes Verhalten, Müßiggang, Herumlungern.....



Die Zellen haben sich im Laufe der Jahre verändert, wir sehen Beispiele aus den verschiedenen Perioden. Ganz zu Anfang gab es noch einen hölzernen Ausguss, das Rohrleitungssystem funktionierte aber nur kurze Zeit. Von da an bis zur Schließung gab es nur einen Eimer Frischwasser und einen als Toilettenersatz - die zwischenzeitlich eingesetzten Chemietoiletten mussten nach kurzer Zeit wieder abgeschafft werden. Duschen waren in Extrazellen untergebracht. Hatte man die zunächst nur ca. 120 x 210 cm großen Einzelzellen nach ein paar Jahren durch Entfernen der Zwischenwände vergrößert, wurden diese größeren Zellen später wieder mit 2 Sträflingen belegt.



Die deportierten Sträflinge mussten beim Aufbau der Kolonie helfen. Später gab es diese Aufgabe nicht mehr, die Häftlinge verbrachten oft viele Stunden am Tag in Höfen, bis auf einen Unterstand der Hitze im Sommer und der Kälte im Winter ausgesetzt. Als Bestrafung für weiteres Fehlverhalten gab es Einzelhaft oder sogar Dunkelhaft. Außerdem wurden Auspeitschungen durchgeführt - bis zu 100 Schläge mit der

neunschwänzigen Katze. Brach der anwesende Arzt die Auspeitschung ab, weil der Sträfling sie augenscheinlich nicht überstehen würde, wurden die noch fehlenden Schläge nachgeholt sobald sich der Sträfling wieder erholt hatte. Auch Hinrichtungen durch Erhängen fanden hier statt. Mich hat das alles sehr berührt: Was tun Menschen ihren Mitmenschen an? Port Arthur hatte ich nicht als so bedrückend empfunden, hier spürte ich noch das Leid der Menschen.


Der Anteil der Aborigine an der Gesamtbevölkerung Australiens beträgt nur ca. 2%, unter den verurteilten "Verbrechern" in Fremantle Prison betrug er bis zu 40%. Als es den Gefangenen in den späteren Jahren gestattet war, die Wände zu bemalen, nutzten viele Aborigine diese Möglichkeit. In den Innenräumen sind noch einige der Gemälde sehr gut erhalten.



Die Artania liegt bis 23:00 Uhr im Hafen. Am Abend kommt eine Gruppe Aborigine an Bord, heißt uns mit einer Zermonie willkommen und führt einige Tänze auf, die mit Didgeridoos und Klanghölzern (Bumerangs) begleitet werden.



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