Bunbury / Australien
- Gaby Laubach
- 7. Apr. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Bunbury liegt an der Westküste Australiens - endlich beruhigte sich die See und außerdem hatten wir einen Anlegeplatz im Hafen und mussten nicht tendern.
Der Hafen von Bunbury ist das Tor zum Süd-Westen von West-Australien und liegt geschützt in der Geographe Bay (benannt nach dem Schiff des französischen Entdeckers). Bunbury wird auch die "Stadt der drei Gewässer" genannt. Es gibt wunderschöne Strände zum offenen Meer, die Geographe Bay mit den Hafenanlagen und das Leschenault-Inlet, eine Lagune, die direkt an das Stadtzentrum anschließt. In der Koombana Bay (einer kleineren Bucht in der Geographe Bay) lebt eine Gruppe Großer Tümmler, mit denen man dort sogar schwimmen kann. Von der Stadt sehe ich nicht allzuviel, da mich mein Ausflug auf eine andere Landzunge führt. Bei der Fahrt dorthin sehen wir aber attraktive Wohngebiete, tolle Strände, viel Wald und schöne Landschaften.
Der Ausflug führt uns zur Ngligi-Höhle, die auf dem Gebiet des Noongar-Volkes liegt. Seit ungefähr einem Jahr ist hier ein Zentrum entstanden, das von den Noongar genutzt wird aber auch Fremden Einblick in deren Kultur gewährt und die Höhle und den umgebenden Wald zugänglich und erlebbar macht. Unser dortiger Guide ist der Aborigine Josh, der maßgeblich am Aufbau dieses Platzes beteiligt war und persönlich und mit seinen kunstvollen Installationen uns vieles aus seiner Kultur nahebringt. Begleitet und unterstützt wird er von seinem Sohn, der augenscheinlich später das Werk seines Vaters weiterführen soll.

Gleich beim Verlassen des Busses umfängt uns ein unbeschreiblicher Duft. Er stammt von den Pflanzen des Waldes, insbesondere von einem Eukalyptusbaum. Ich habe das Gefühl, dass eine Stunde in diesem Wald jede Atemwegserkrankungen

lindert oder sogar heilt. Josh führt uns durch den Wald bis zu einem Versammlungsplatz. Auf dem Weg und auf Schautafeln entlang des Weges ist die Erdgeschichte dargestellt. Josh erklärt uns unterwegs die Pflanzen und wie sie seit Jahrtausenden von seinem Volk als Nahrung, Medizin, Werkstoff und Hinweisgeber genutzt werden.
Unser erster Halt ist an einem Versammlungsplatz. Hier gibt es eine Überdachung sowie einen offenen Platz rund um eine Feuerstelle. An den Wänden der Überdachung ist in mehreren Mosaiken die Geschichte der Höhle sowie ihrer guten und bösen Geister dargestellt. Wenn ich Josh richtig verstanden habe, stammt das erste Mosaik von seiner Großmutter.
Wir setzen uns alle rund um die Feuerstelle und Josh demonstriert, wie er Feuer macht - bei den Windverhältnissen glaube ich kaum, dass wir mit Streichhölzern schneller gewesen wären.
Dann zeigt er uns die verschiedenen Waffen und Werkzeuge seines Volkes. Sie bestehen vor allem aus Holz, das zum Teil im Feuer gehärtet wird, und aus Steinen, die als Schlag-, Schneide- und Schab-Werkzeug genutzt werden. Das "Schild" ist viel kleiner und schmaler, als wir uns ein Schild vorstellen, es wird zu Verteidigung aber auch zum Graben und zum Paddeln gebraucht. Die hölzernen Dinge sind oft mit Schnitzereien verziert. Auch verschiedene Klanghölzer und Boomerang (die oft wie Klanghölzer eingesetzt werden) sehen wir. Ebenso sehen wir Känguru-Felle, die als Kleidung und Transportverpackung dienen.
Auch 3 verschiedene Didgeridoos hat er dabei. Für ein Didgeridoo sucht man sich einen Ast, der von Termiten ausgehöhlt wurde. Man entfernt die Rinde sowie die die Holzreste aus dem Inneren bis nur noch eine Röhre übrig bleibt. Das "Mundstück" wird aus Wachs geformt. Jedes Instrument hat einen eigenen Klang. Es ist weniger ein Melodie- als ein Rhythmus-Instrument. Josh führt uns 2 der Instrumente vor, eines davon wiegt 10 Kilogramm. Zusätzlich spielt er Trommel und wir schlagen die Klanghölzer, die er vorher an uns verteilt hat. Es ist ein tolles Erlebnis und ich spüre den Kang des Didgeridoos "bis in die Haarspitzen".

Das dritte Instrument nimmt Josh mit, als wir anschließend in den Höhle einsteigen. Es ist eine beeindruckende Tropfsteinhöhle, die sehr schön beleuchtet ist. Die Tropfsteine wirken zum Teil wie Kronleuchter. Mehr als 100 Stufen führen über mehrere Plattformen bis auf den Grund der Höhle. Dort bläst Josh das Didgeridoo unter einem Felsvorsprung - Gänsehaus pur!
Auf unserem Weg zurück zum Ausgang passieren wir noch verschieden Installationen, die vor allem Josh selbst gestaltet hat. So gibt es die Möglichkeit, die verschiedenen Tiere aus der Höhle zu betrachten, z.B. Spinnen und Tausendfüßler. Die Vögel des Waldes sind

dargestellt und ihr Gesang kann man durch Knopfdruck erklingen lassen. Mich begeistert vor allem eine Darstellung der Jahreszeiten. Die Aborigine unterscheiden 6 Jahreszeiten, die jeweils 2 Monde (Monate) dauern. Für jede Jahreszeit gibt es eine Beschreibung der äußeren Umstände, eine Darstellung der zu dieser Zeit verfügbaren Nahrung (Aborigine legen keine Vorräte an) und Handlungsanweisungen: Wir wandern ins Landesinnere, wir wandern an die Küste usw. Josh hat ihre und unsere Jahreszeiten in einem gut verständlichen Schaubild dargestellt (die Jahreszeiten entsprechen natürlich denen der Südhalbkugel).
Wir sehen ebenso plastische Darstellungen der Höhle und Tropfsteine mit Erklärungen ihrer Entstehung und andere Kunstwerke. Mich hat der Besuch der Höhle und das Eintauchen (leider nicht sooo tief) in die Kultur der Ureinwohner Australiens sehr berührt.























































































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