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Hobart & Port Arthur/Tasmanien / Australien

  • Autorenbild: Gaby Laubach
    Gaby Laubach
  • 20. März 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Nach 3 Tagen und Nächten mit schwerer See erreichen wir endlich den geschützten Hafen von Hobart, der Hauptstadt der australischen Provinz Tasmanien. Von den ca. 560.000 "Tassis" leben mehr als 250.000 in Hobart. Abgesehen von ein paar "Hochhäusern", die rund um den Hafen die Skyline bilden, macht die Stadt eher ein gemütlichen und kleinstädtischen Eindruck. Hobart ist nach Sydney die zweitälteste Stadt Australiens. Tasmanien liegt nur 240 von der Südküste des australischen Festlands und etwa 2.000 km vom Südpol entfernt, das Klima ist eher gemäßigt und die Insel wird stark landwirtschaftlich genutzt. Ein Viertel der Insel ist aufgrund der teilweise einzigartigen Natur zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt.



Wie in Australien waren die ersten Siedler Sträflinge - nach Tasmanien wurden aus England "Schwerstverbrechen" (wie immer das definiert wurde, der jüngste verschiffte Verbrecher

war erst 9,5 Jahre alt!) oder Sträflinge, die in Australien wieder straffällig geworden waren, deportiert. In Port Arthur, an einer wunderschönen Bucht auf der tasmanischen Halbinsel gelegen wurde ein Modell-Gefängnis errichtet, in das von 1833 bis in die 1850er Jahren Sträflinge deportiert wurden. Das Lager galt als ausbruchsicher, die Halbinsel ist mit Tasmanien nur über eine ca. 400 m breite Landbrücke verbunden, hier wurde ein Zaun gezogen und zusätzlich durch Hunde gesichert. Über die tasmanische See waren keine bewohnten Inseln zu erreichen. Neben der schweren körperlichen Arbeit und drastischen körperlichen Strafen bei Missachtung von Regeln, wurden hier auch psychische Bestrafung angewandt. Es wurde das System der "stillen Strafe" praktiziert: Zu jeder Zeit hatte absolute Ruhe zu herrschen. Die Häftlinge mussten Kapuzen tragen und sowohl Insassen als auch den Wärtern war das Sprechen über das notwendige Maß hinaus verboten. Sogar beim obligatorischen Kirchbesuch wurden die Häftlinge einzeln in die Kapelle geführt, in der sich Kabinen befanden, die den Blick- und Körperkontakt mit anderen Insassen unterbanden. Die Ruhe sollte den Gefangenen die Möglichkeit geben, über ihre Taten nachzudenken und diese zu bereuen. Erst 1877 wurde das Gefängnis geschlossen. Buschfeuer zerstörten die Anlage Ende des 19. Jahrhunderts. Von den ursprünglich ca. 60 Gebäuden sind 30 mehr oder weniger restauriert. Heute ist das ehemalige Gefängnis die touristische Attraktion für Besucher von Tasmanien.


Die in Port Arthur stationierten Offiziere und Aufseher führten ein ziemlich komfortables Leben. Mit ihren Familien bewohnten sie je nach Rang größere oder kleinere gut ausgestattete Häuser. Die Kinder wurden unterrichtet - zunächst von gebildeten Gefangenen später wurde ein Lehrerehepaar eingestellt, es gab schön angelegte Gärten zum Flanieren und genügend Bedienstete.



Ich besuche die tasmanische Halbinsel am ersten Tag von Hobart aus, über Nacht bringt uns die Artania in die Bucht vor Port Arthur und wir können auf eigenen Faust das Gelände des ehemaligen Gefängnisses erkunden. Bei meinen ersten Ausflug sehe ich die Ruinen nur vom Wasser aus, denn ich habe eine Küstenfahrt entlang der höchsten Klippen der südlichen Hemisphäre gebucht. Ganz nahe Port Arthurs steigen wir in ein Boot, das uns 3 Stunden entlang der Küste und rund um die unbewohnten Inseln in der Bucht fährt. Außerhalb der geschützten Bucht haben die Wellen gut 3 Meter und die sehen aus einem so kleinen Boot sehr viel bedrohlicher aus, als von der Artania. Aber wir sind ja alle mittlerweile seefest und sind begeistert von unserer Tour. Die Klippen ragen wie Burgen oder Kathedralen nach oben. An vielen Stellen sehen sie aus, als wären sie aus großen, behauenen Steinen gebaut. Wir fahren dicht an die Eingänge von Unterwasserhöhlen heran, die aussehen als wären sie geheime Zugänge zu riesigen Burgen. Einsame Strände und kleine Inseln laden ein. Die Gischt steigt nicht nur an den Felsen in die Höhe sondern spritzt uns auch ins Gesicht (wir tragen alle Schutzkleidung gegen die Nässe).



Wir besuchen ein paar Felsen, auf denen sich Robben aalen. Zeitweise begleiten uns Delphine, leider schaffe ich es nicht, ein Foto von ihnen zu erhaschen, aber es ist schön sie durch das und aus dem Wasser schießen zu sehen. Und - wunderschön und beeindruckend - sehen wir einige Albatrosse dicht über den Wellen gleiten.



Ein weiteres Ziel unseres Ausflugs ist der "Unzoo". Hier kann man einheimische Tiere in ihrer (fast) natürlichen Umgebung beobachten. Insbesondere vom fast ausgestorbenen

tasmanischen Teufel hält man hier mehrere Exemplare in sehr großen Gehegen. Die Raubtiere wurden lange Zeit stark bejagt, außerdem fallen viele seit Ende des 20. Jahrhunderts einer Tumorerkrankung zum Opfer, deshalb gibt es nur noch wenige wildlebende Exemplare. Die Tiere, die nicht besonders groß sind, zeichnen sich vor allem durch ihre starke Beißkraft aus - einmal den Finger nicht rechtzeitig zurückgezogen und er ist weg, ein Knochen ist kein Problem für das Gebiss. Der Unzoo beteiligt sich am Projekt für die Nachzucht der Teufel, mit den anderen Teilnehmern am Zuchtprogramm achtet man sehr stark auf den Erhalt der genetischen Vielfalt, auch um die Krankheit einzudämmen. Das erste Exemplar, das uns unser Guide zeigen will, hat - trotz leckerem Köder - keine Lust auf uns. Also besuchen wir ein weiteres Gehege, in dem sich vier 2022 geborene Brüder rumtreiben. Diese lassen sich gern anlocken und wir können schöne Fotos machen. Ihr Fell ist schwarz mit wenigen weißen Flecken, interessant sind ihre Ohren, die bei Aufregung leuchtend rot werden.



Auf einer großen Wiese sehen wir Kängurus. Sie sind nicht hier eingesperrt, können sich jederzeit in den umgebenden Wald zurückziehen oder das Gebiet verlassen - sie scheinen sich aber sehr wohl zu fühlen und lassen sich - unter Einhaltung von Regeln - füttern und einige sogar streicheln.



Ansonsten haben sich im Unzoo noch andere Tiere angesiedelt. Verschiedene Vögel und ein Wallaby entdecke ich. Die anderen mögen sich bei unserem Besuch nicht zeigen, auch die Papageien lassen sich nicht anlocken. Aber der Besuch des Unzoo und der gesamte Ausflug haben sehr viel Spaß gemacht und es gab schon viel von dem zu sehen, was man sich in Australien wünscht.



Und Port Arthur macht großen Eindruck auf mich. Einmal das, was hier passiert ist und was noch nicht sooo lange her ist, und auf der anderen Seite die Art und Weise, wie hier mit diesem doch recht dunklem Kapitel der eigenen Geschichte umgegangen wird. Der Ort ist weder Gruselkabinett noch Freizeitpark. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt - trotz der Geschichte, über die Zeugnis abgelegt wird, war es für mich ein friedlicher Ort.

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