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Pitcairn Island / Großbritannien

  • Autorenbild: Gaby Laubach
    Gaby Laubach
  • 21. Feb. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Pitcairn Island ist ein knapp 5 km² großer Monolith vulkanischen Ursprungs. Sie gehört zur Gruppe der Pitcairninseln, zu der auch die Inselatolle Ducie und Oeno sowie die

Koralleninsel Henderson gehören. Alle Inseln sind klein und bis auf Pitcairn Island heute unbewohnt. Diese Inselgruppe erstreckt sich über eine sehr große Fläche im Pazifik, die einzelnen Inseln liegen sehr einsam, fast vergleichbar mit der Osterinsel.

Pitcairn Island wählten 1790 die Meuterer der Bounty als sichere Zuflucht vor der britischen Marine, da es keinen Ankerplatz vor der Insel gibt, und gingen hier mit ihren Frauen aus Tahiti an Land. Die Bounty setzten sie in Brand und sie versank in der Bounty Bay, einer Bucht, die aus dem Rest eines Vulkankraters entstanden ist. Die Insel hat keine natürlichen Süßwasserquellen. Regenwasser (es regnet in diesen Breiten häufig) wird aufgefangen und gespeichert. Seit Anfang der 2000er Jahre gibt es auch WCs mit Wasserspülung. Der Strom wird von Dieselgeneratoren erzeugt, die aber in den letzten Jahren mehr und mehr von Solarstrom ergänzt wird. Alle anstehenden Aufgaben (Bauarbeiten, "Straßen"-Arbeiten, Aufbau der Solaranlagen, Aufforstung...) werden von den Inselbewohnern gemeinschaftlich erledigt.

Es gibt kaum endemische Pflanzen und Tiere. Die frühen Bewohner haben den ursprünglichen Wald abgeholzt, die Insel wurde aber mittlerweile wieder aufgeforstet. Wer die ersten Siedler waren, ist nicht bekannt. Es gibt aber Hinweise darauf, dass auf der Insel eine "größere" Produktion von Steinwerkzeugen bestand, verschiedene Exemplare dieser Werkzeuge wurden auch auf weit entfernten Inseln gefunden. Verschiedene Artefakte der frühen Bewohner und aus der Bounty (u.a. die Bibel der Bounty) findet man in einem kleinen Inselmuseum.

Die heutigen Bewohner sind zumeist Nachfahren der Meuterer und ihrer polynesischen Frauen. Sie sprechen noch heute eine eigene Sprache "Pitkern", die englische und polynesische Wurzeln hat und zu den (oder der) am wenigsten auf der Welt gesprochenen Sprachen gehört. Pitcairn gilt seit 1838 als britische Kronkolonie bzw. britisches Überseegebiet. Heute ist sie die kleinste Demokratie der Welt. Bereits 1838 führten die Bewohner das weltweit erste Wahlrecht ein, in dem Frauen und Männer gleichgestellt sind.

Heute leben in der einzigen Ansiedlung Adamstown etwas mehr als 30 Personen. Die Grundschule der Insel ist aktuell geschlossen, da es keine zu unterrichtenden Kinder gibt. Ältere Kinder gehen i.d.R. nach Neuseeland in Internate. Für die medizinische Versorgung gibt es ein Gesundheitszentrum, in dem meistens ein neuseeländischer Arzt für eine gewisse Zeit Dienst tut, im Moment arbeitet dort ein polnischer Arzt.

Es werden Obst und Gemüse angebaut, Honig erzeugt und natürlich Fischerei betrieben, die übrige Versorgung erfolgt über ein Schiff, das alle 3 - 4 Monate vorbeikommt. Die ganze Pitcairngruppe ist wegen der isolierten Lage ein beliebtes Gebiet für Meeresforscher. Für diese wurde im September 2023 eine neue moderne Forschungsstation eröffnet, in der auch ein paar Forscher wohnen können. Die übrigen Forscher oder auch Touristen kommen in privaten Unterkünften unter. Auch für Astronomen ist die Insel interessant, es gibt keine "Lichtverschmutzung", die Bewohner dunkeln in der Nacht alles ab, sodass man den südlichen Sternenhimmel unbehindert betrachten kann (ich hatte letzte Nacht zum ersten Mal auch dazu Gelegenheit, weil sich die Wolken endlich mal verzogen hatten. Die offenen Decks unterhalb der Brücke der Artania sind unbeleuchtet - es war einfach überwältigend!). Außerdem kommen immer mal wieder Kreuzfahrtschiffe vorbei, die vor der Bucht driften (Ankern ist nicht möglich). Eine Ausbootung ist wohl noch seltener möglich als auf der Osterinsel und ist auch nicht mit den schiffseigenen Tenderbooten sondern nur mit den Langbooten der Insel zu bewerkstelligen. So erging es vor uns der MSC Magnifica, die uns auf unserer Reise schon öfter begegnet ist, und natürlich auch uns. In diesem Fall kommen die Bewohner selbst an Bord und bieten neben T-Shirts und Postkarten (die man auch gleich zum Verschicken mitgeben kann - die Weltreisenden haben gute Chancen, dass die Karten vor ihnen ankommen....) viele selbstgemachte Souvenirs an. Schnitzereien aus wunderschönem Holz, Magnete, Körbe, Honig und vieles mehr.

Die MSC Magnifica lag schon vor der Bounty Bay, als wir dort ankamen. Schon am Tag zuvor hatten uns die Verantwortlichen auf der Insel mitgeteilt, dass ein Ausbooten witterungsbedinge nicht möglich sein würde, die Bewohner aber gern auf unser Schiff kommen würden (nachdem die MSC Magnifica sich wieder auf den Weg machte), uns hier einen Vortrag über die Insel halten würden und Stände mit ihren Souvenirs aufbauen wollten. Um die Wartezeit zu verkürzen, umrundeten wir einmal die gesamt Insel, die nur eine Küstenlänge von weniger als 10 km aufweist.



Und dann kamen die Bewohner zu uns. Ich habe 16 Personen im Boot gezählt, also war die Hälfte der Inselbevölkerung unterwegs. Die Mannschaft der Artania hatte eine Gangway

ausgebracht, an der das Boot aber nicht sicher anlegen konnte. Deshalb öffnete man die Luke, durch die für gewöhnlich über eine Strickleiter die Lotsen das Schiff betreten oder verlassen. So kamen sie alle mit ihren Waren an Bord. Während die Verkaufstische bestückt wurde, hielt eine Frau

(in 6. Generation von einem Bounty-Meuterer und seiner polynesischen Frau abstammend!) einen beeindruckenden Vortrag über "ihre" Insel, auf der sie geboren und aufgewachsen ist und auf die sie, nachdem sie 40 Jahre in Alaska

gelebt hat, vor 15 Jahren wieder zurückgekehrt ist. Sie hat mir sehr imponiert und sie brachte sehr eindrücklich rüber, was Pitcairn für die Bewohner so lebenswert macht.

Nachdem wir alle Gelegenheit hatten, die Waren zu begutachten und natürlich zu kaufen (ich glaube wir haben fast alle etwas gekauft), verließen die Pitcairner unser Schiff wieder durch die gleiche Luke, jedoch nicht über die Strickleiter sondern springend sobald das Langboot durch die Wellen dicht genug an die Luke gehoben wurde. Spätestens da wurde uns allen klar, warum wir die Insel nicht selbst erkunden konnten.



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